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Meine Mutter in China – Erste Session (de)

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Deutsch

Meine Mutter in China – Erste Session (de)
Lesung auf der Eröffnung der Kunstausstellung von Wang Lan am 29.1.2025 in Berlin
(Lesungsdauer: 10 Minuten)
Autor: Bing Bing Weidemann

(图片由AI工具生成)

Teil 1

Ich wurde auf dem Land im Nordwesten Chinas geboren, mein Heimatdorf liegt direkt am Ufer des Gelben Flusses, der auch “Mutter Fluss” genannt wird. Von klein auf trank ich Wasser aus dem Gelben Fluss. Damals war das Wasser oft klar und durchsichtig, egal ob Sommer oder Winter. Die Erwachsenen schöpften das Wasser aus den Flussbuchten und schütteten es in große Tonnen, um es direkt zu trinken. Manchmal war das Flusswasser trüb und voller gelbem Schlamm. In diesem Fall musste man etwas Salz ins Wasser geben, es ein oder zwei Stunden absetzen lassen und dann erst in die Trinkbehälter füllen. Meine Schwestern und ich wurden älter und übernahmen die Aufgabe, Wasser aus dem Fluss zu schöpfen, und so gingen wir oft gemeinsam ans Flussufer.

Teil 2

Als ich in die Mittelschule ging, mussten meine Klassenkameraden und ich abwechselnd das Klassenzimmer reinigen. Meine Schule lag auf einer Hochfläche aus gelber Erde, und mitten durch das Gelände verlief ein Hauptwasserkanal. Während der landwirtschaftlichen Bewässerungssaison konnten wir Wasser aus dem Kanal schöpfen, was weniger anstrengend war. Doch oft war der Kanal trocken und wir mussten zum Fluss, um Wasser zu holen. Als meine Mutter sah, wie schwer ich mich tat, ließ sie oft ihre Arbeit liegen, um mir zu helfen, eine Ladung Wasser in die Schule zu bringen.


Meine Mutter war damals in ihren Dreißigern, ihr langer Zopf reichte bis zur Taille. Sie erledigte praktisch alle Feldarbeiten, weil mein Vater, der ein staatlicher Leher war, erst in einem anderen fernen Dorf unterrichtetet und später in unser Dorf versetzt wurde. Wir waren arm und hatten keine Uhr. Im Winter, als es noch dunkel war, weckte mich meine Mutter oft und drückte mir eine Frühstückstüte in die Hand, bevor sie mich zur Schule schickte. Nachdem ich gegangen war, dauerte es noch lange, bis es hell wurde, und meine Mutter machte sich Sorgen, ob ich zu früh losgegangen war und ob es auf dem Weg gefährlich sein könnte.

Teil 3
Meine Mutter hatte von meinem Großvater eine robuste Konstitution geerbt und war eine geborene Athletin. Während ihrer Schulzeit zeichnete sie sich besonders in Diskus- und Kugelstoßen aus.

Einmal kam ein Team von der Provinzsportschule, um Talente zu sichten, und sie wollten meine Mutter direkt in der Sportschule aufnehmen. Meine Mutter wusste nicht, was sie tun sollte, also besuchten die Lehrer die Familie, um mit meinem Großvater und meiner Großmutter darüber zu sprechen. Meine Großmutter war sofort dagegen, weil sie dachte, dass das Leben in einer Sportschule zu hart wäre und meine Mutter leiden würde. Sie wollte, dass meine Mutter wie ein normales Mädchen lebte und nach der Schule in ein nahegelegenes Dorf heiratete, um ein einfaches Leben zu führen. Die Lehrer versuchten mehrmals, meine Großmutter zu überzeugen, aber sie blieb hartnäckig und schließlich gaben sie auf.

Doch der Traum meiner Mutter von einer sportlichen Karriere lebte weiter. Sie spielte im Schul-Basketballteam und war die Kapitänin des Mädchenteams, oft rannte sie über den Trainingsplatz oder nahm an Wettkämpfen teil. Meine Mutter war körperlich sehr fit und fand Freude und Stärke im Wettkampf. Das Schul-Basketballteam hatte bald Erfolg und wurde im ganzen Landkreis bekannt, später nahm es sogar an interregionalen Turnieren teil.

Als meine Mutter in der 11. Klasse war, begann die große Kulturrevolution. Lehrer wurden von den Rotgardisten gedemütigt und geschlagen, und die Menschen waren voller Angst und Unsicherheit. Die revolutionäre Bewegung veränderte das Leben vieler Menschen radikal. Als meine Mutter die High School abschloss, gab es keine Universitäten, an denen sie sich bewerben konnte, also musste sie aufs Land zurückkehren und in der Landwirtschaft arbeiten. Meine Großmutter war der Meinung, dass meine Mutter alt genug war, um zu heiraten, also arrangierte sie die Hochzeit meiner Mutter mit meinem Vater. Meine Mutter träumte von der Liebe und verließ ihre Eltern, um in das weiter entfernte Dorf meines Vaters zu ziehen und ein neues Leben zu beginnen.

Die großen Veränderungen forderten ihre Anpassungsfähigkeit. Meine Mutter musste sich in den neuen familiären Verhältnissen zurechtfinden und sich in das Dorfleben einfügen. Sie kümmerte sich um ihre Schwiegereltern und zog drei junge Schwager groß. Sie arbeitete mit den Dorfbewohnern zusammen, säte im Frühling, schnitt im Sommer das Getreide, erntete im Herbst die Früchte und sammelte im Winter Äste und Laub.

Im Dorf gab es einen Trocknungsplatz für Weizen, direkt neben dem Kindergarten und dem Altersheim. In der Freizeit saßen älteren Männer in einer sonnigen Ecke, mit eingezogenen Köpfen und laufenden Nasen, während sie plauderten oder Schach spielten.

Die Kinder liefen und sprangen auf dem Platz herum. Manchmal brachten Kinder einen Fußball mit, und alle spielten auf dem Platz. Plötzlich legte meine Mutter ihre Arbeit nieder, schnappte sich den Ball und begann, Basketball zu spielen. Die Dorfbewohner staunten, wie sie auf dem Trocknungsplatz mit dem Ball hin und her dribbelte.

Im Herbst lag der Duft von Obst in der Luft, und die Arbeiter ernteten fleißig Äpfel, Birnen und anderes Obst. Die Äpfel waren groß und rot, die Birnen golden und saftig, und sie wurden in Wagen zur Lagerung gebracht. Meine Mutter zog zusammen mit anderen Arbeitern einen Wagen vorbei, als ich gerade an der Straße stand und sie sah. Sie nahm zwei oder drei Äpfel und steckte sie mir in die Tasche. Ich rannte nach Hause, um sie durch das Fenster in unsere Wohnung zu werfen, damit wir abends etwas zum Naschen hatten.

Unser Haus befand sich in der südwestlichen Ecke eines Innenhofes, es war nach Osten ausgerichtet. Da kaum Sonnenlicht hereinkam, war unser Zimmer dunkel. Meine Schwestern und ich saßen oft auf der Schwelle mit unseren metallenen Essschalen und aßen unser Abendessen. Oft aßen wir Maisbrei, und wenn es keine Beilagen gab, taten wir ein bisschen Essig und scharfe Chili-Sauce dazu, um es schmackhafter zu machen. Meine Mutter kochte den Maisbrei auf offenem Feuer, und weil das Feuer so heiß war, bildete sich am Boden des Topfes eine dünne Schicht verbrannter Kruste. Das war unser Nachtisch. Meine Mutter hob die Kruste ab und gab sie uns, und der knusprige, goldene Topfboden schmeckte wunderbar. Ich saß immer noch auf der Schwelle und kaute langsam an der Kruste. Die Hennen kamen herüber, um die heruntergefallenen Krümel zu picken. Eine der Hennen wurde ungeduldig, flog plötzlich auf meinen Teller und stahl sich ein Stück Kruste.

(Bing Bing Weidemann @ all copyrights reserved)

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