Wanderung zum Brocken 漫步布鲁肯之巅 (de)
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Lesung auf Walpurgisnacht im Primobuch von Jenny Schon am 30.4.2024 in Berlin
Autor: Bing Bing Weidemann

In meiner Heimat, wo ich aufgewachsen bin, sind vier Seiten von Bergen und drei Seiten von Wasser umgeben. Ich habe oft zwischen den Bergen und Flüssen gespielt, wandert und eine sorgenfreie Jugendzeit verbracht. Doch jetzt lebe ich an einem Ort, mit weiten Ebenen und fruchtbarem Boden und schattigen grünen Bäumen, ohne Berge in der Nähe, geschweige denn einem Ort mit Bergen und Wasser.
Meine Frau liebt es zu reisen, also haben wir an den Wochenenden zusammen Ausflüge unternommen. Um 5 Uhr morgens sind wir mit dem 9-EURO-Monatskarte in den Zug gestiegen. Obwohl es so früh war, war der Waggon überraschend voll und es gab keine freien Sitzplätze mehr. Also musste ich meinen Rucksack in das Gepäckregal über meinem Kopf quetschen und im Gang stehen, während meine Frau in der ersten Klasse saß. Der Zug, der eigentlich direkt nach Thale fahren sollte, hielt bereits in Quedlinburg und fuhr nicht mehr weiter.
Nachdem ich einige Stunden stehend verbracht hatte, fühlte ich mich steif und mein Rücken schmerzte. Nun konnte ich aussteigen, um mich zu strecken. Als wir nach einem Anschlusszug suchten, sahen wir plötzlich eine alte Dampflok mit qualmendem Rauch, bereit zur Abfahrt. Wir stiegen schnell ein und der Zug setzte sich in Bewegung.
Ich stand zwischen der Lokomotive und den Waggons und schaute diesem alten, schwerfälligen Ungetüm zu, wie es dahin raste. Das dröhnende Geräusch der Räder war ohrenbetäubend, der dichte Kohlenrauch wurde vom Wind herübergeweht und zwang mich die Augen zu schließen. Dieser vertraute und doch fremde Geruch erfüllte mich mit Aufregung. Die Mitreisenden holten alle ihre Kameras heraus, um diese besondere Reise festzuhalten. Eine Stunde später erreichten wir das Ziel, die Lokomotive trennte sich von den Waggons, fuhr auf das Nachbargleis zurück und koppelte sich wieder an. Nachdem zwei kräftige Männer eine Reihe von Handgriffen ausgeführt hatten, begann der Zug die Rückfahrt.
Unser Ziel war Thale. Thale liegt in Sachsen-Anhalt, am nordöstlichen Rand des Harzes. Wir wanderten also los in Richtung Brocken. Der Brocken ist ein sagenumwobener Berg und die höchste Erhebung des Harzes. Mal sehn, wie weit wir es schaffen. Auf dem Brocken sollen sich auch Hexen tummeln. Ob wir welchen begegnen?
Bald wurde es ruhig um uns herum, nur das melodische Vogelgezwitscher und das Murmeln eines kleinen Baches erklang in unseren Ohren. Unsere städtischen Gedanken verwandelten sich plötzlich, wie das plätschernde Wasser im Bergbach wandelten sie sich zu einer freudigen Stimmung, hellten sich auf wie ein klarer Fluss, begleitet von einem sanften Rauschen. Dieses Rauschen war ein Murmeln wie der Bassgesang in einem Chor, der von gealterten Menschen gesungen wird, die von der Vergänglichkeit der Zeit wissen.
Entlang des Baches erstreckte sich der Wald mit seinen hoch aufragenden Nadelbäumen. Es geht immer bergauf; der Bach ist nicht mehr zu sehen. Plötzlich über uns Gelächter und schrille Befehle. Die Hexen! Schießt mir durch den Kopf. Meine Frau klammert sich ängstlich an mich. Was ist das? Fragt sie mit leiser Stimme.
Ich blicke hoch und sehe Menschen zwischen den Bäumen, die auf Seilen balanzieren, rutschen oder sich auf den Bäumen ausruhen. Viele Menschen üben Klettertechniken auf dem Boden. Meine Frau beruhigt sich wieder, wir setzen unseren Gipfelanstieg fort, nun ist auch wieder das Rauschen des Wassers zu hören, die Sonne bestrahlt Bäume und Felsen, es ist ein wunderbares Wechselspiel der Farben zu beobachten. Der Boden unter unseren Füßen ist angenehm weich, wir scheinen zu schweben, es verströmt sich ein berauschender Duft von unverbrauchter Natur. Wie wunderbar die Schöpfung Gottes ist.
Vor uns tauchte ein Restaurant auf, das sich an den Berg lehnte und den Weg versperrte. Viele Menschen machten hier Rast, ihre Gespräche mischten sich mit dem Plätschern des Baches. Rote Blumen schmückten das Geländer entlang des Bergbachs. Eine junge, hübsche Frau in einem leichten grünen Kleid stand nachdenklich auf der Steinbrücke. Wir stiegen die Brücke hinauf, gingen über die gewölbte Oberfläche und kamen auf die andere Seite des Bergkamms. Hier konnten wir keinen Weg mehr finden, nur einen schmalen Trampelpfad, der im Zickzack den Berg hinaufführte, als ob er uns zum Gipfel führen würde.
Ich wollte versuchen, weiter nach oben zu klettern, doch meine Frau zögerte. Der Bergpfad war steinig und überall gab es Felsen. Wir gingen vorsichtig zwischen den Felsen hindurch, setzten unsere Füße auf glatte Steinflächen und kletterten Schritt für Schritt nach oben. Nach einer Weile atmeten wir schwer vor Anstrengung, schwitzten aber kaum, denn die Wolken hatten die intensive Sonne längst verdeckt. Von hier oben konnte man vage den Bach und die Steinbrücke erkennen, und ich fragte mich, wie weit es wohl noch bis zum Gipfel sein würde.
Das war gerade der höchste Gipfel des Harzgebirges, mit steilen Felsen und aufeinander gestapelten Felsbrocken. Nach einer Weile schien es, als ob wir immer noch am gleichen Ort stehen geblieben waren. Schließlich trafen wir auf zwei Leute, die den Berg hinunterkamen, und fragten sie, wie weit es noch bis zum Gipfel sei. Sie winkten nur, dass sie kein Deutsch verstanden. Meine Frau begann, an unserem Plan, zum Gipfel zu wandern, zu zweifeln, aber wir konnten nur weitergehen und planten, uns nach dem Erreichen des Gipfels auszuruhen und dann mit der Seilbahn zurückzufahren.
Unabsichtlich ging meine Frau plötzlich ein ganzes Stück voraus, sie war mehr als zehn Meter von mir entfernt und ihre Schritte waren leicht wie die eines Rehs. Ich beeilte mich, aufzuholen, und fragte sie, warum sie so schnell ging. Sie antwortete keuchend, hinten wäre es beängstigend wegen Hexen, weshalb sie nach vorne geeilt sei. Mein Herz sank, wenn jetzt in der Tiefe des Berges ein wildes Tier oder eine Hexe auftauchen würde, wie könnten wir dann entkommen? Genau in diesem Moment erklang ein heulender Wolf in den Bergen, und wir beschleunigten unsere Schritte mit aller Kraft.
Als ich noch klein war, habe ich《Faust》von Goethe gelesen, und die Beschreibung der Walpurgisnacht hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Es wird erzählt, dass sich in der Nacht vom 30. April bis zum 1. Mai mysteriöse Hexen aus aller Welt auf dem Harz versammeln, den Brocken besteigen und ein atemberaubendes Feuerwerk zünden, um das jährliche Teufelsfest zu feiern. In jenen Tagen kam auch Faust unter der Führung Mephistos in den Harz und erlebte hautnah dieses mysteriöse magische Spektakel.
Goethes Meisterwerk hat dem Harz eine tiefe mystische Note verliehen. Heute kann man in der Harzregion immer noch viele Orte entdecken, die mit Hexen in Verbindung stehen, wie zum Beispiel der Hexentanzplatz in der Stadt Thale, die Hexenstadt Goslar und der Hexenpfad im Harz. Diese Orte scheinen Geschichten aus fantastischen Märchen zu erzählen und lassen einen in die magische Welt der Mystik und alten Legenden eintauchen.
Zwei Stunden später wurde der Bergweg endlich flacher, und wir erreichten den Gipfel. Gruppen von Menschen schlenderten um uns herum, machten Fotos, ruhten sich aus, und einige Restaurants warben um Gäste. Wir setzten uns an das Geländer, um die Freude des Bergsteigens zu genießen. Wir ließen den Bergwind über unsere Gesichter streichen und unsere Gedanken in die Heimat unserer Kindheit schweifen. Oh, diese seltene Freude im Wald, die mich alle Sorgen und Komplikationen vergessen ließ.
Der Himmel öffnete plötzlich seine Schleusen und es begann leicht zu regnen. Wir beeilten uns also, den Berg hinabzusteigen. Wir rannten, flogen beinahe, wie leichtfüßige Vögel, und kamen schließlich zur Steinbrücke. Die Frau im grünen Kleid war längst verschwunden, doch der Bergbach rauschte nun noch fröhlicher. Aber war es wirklich eine Frau oder eine hübsche Hexe?
Als wir die Bushaltestelle erreichten, war der hohe Touristenbus bereits voll mit Passagieren besetzt. Wir beeilten uns, unsere Masken aufzusetzen und in den Bus einzusteigen, der sofort losfuhr. Hätten wir diesen Bus verpasst, wäre der Nächste erst in zwei Stunden abgefahren. Dank sei dem Herrn für seine Führung und Schutz auf der gesamten Reise auf dem Brocken.
(2024.4.30 Berlin @all copyrights reserved)
Postscript:
My heartfelt thanks go to writer Jenny Schon, painter Wang Lan, and the enthusiastic German audience for their warm reception this evening. Special thanks to Brother Pan for his appreciation and support of the art of the erhu, to my son David for joining me in an erhu duet, and to my wife for her unwavering support.
Tonight, we performed three classic erhu pieces. Before the performance, I read my German-language article aloud — to my surprise and delight, the audience laughed no fewer than ten times and responded with rounds of warm applause.
April 30, 2024 Berlin
后记:
感谢作家Jenny Schon,画家王兰及德国观众们今晚热情接待我们,感谢潘弟兄对二胡艺术的喜欢和支持,感谢儿子欢欢的二胡合奏和妻子的大力支持。
今晚演出了三首经典二胡曲,首读我的这篇德语文章,德国观众竟然开心的笑了十次之多,并报以阵阵热烈的掌声。
2024.4.30 柏林
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